Die deutsche Fallstudie "Greifswalder Bodden"

Karte der Fallregion Greifswalder Bodden
Karte des Greifswalder Bodden

Die Küstenlinie der südlichen Ostsee ist durch ausgedehnte Buchten mit einer Kette von flachen, brackigen Lagunen geprägt, sogenannte “Bodden”. Der Greifswalder Bodden ist mit einer Fläche von 514 km2 und einem Wasservolumen von 2.96*109 m3, die größte Bucht entlang der deutschen Ostseeküste.

Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt um die 5.8 m, mit einer maximalen Tiefe von 13.5 m. Der Greifswalder Bodden ist mit einer mittleren Salinität von 7 PSU ein Brackwasserökosystem. Die Hydrodynamik wird maßgeblich durch regionale Windereignisse hervorgerufen, da der Tidenhub in der Ostsee nicht relevant ist.

Der Greifswalder Bodden fungiert als ein Hauptlaichgebiet des Frühjahrslaichenden Heringsbestandes der westlichen Ostsee. Die Laichaktivität findet von März bis Mai statt, die dominierenden Laichsubstrate sind Makrophyten. Die Verbreitung der aquatischen Vegetation ist generell auf die Phytalzone begrenzt, welche bis in 4 m Tiefe reicht.

Eutrophierung

Das Ökosystem des Greifswalder Boddens unterliegt einem starken anthropogenen Nutzungsdruck. Die Landnutzung führte in den letzten Jahrzehnten zu einem Anstieg der Nährstoffzufuhr, die eine starke Eutrophierung nach sich zog, verbunden mit massiven Phytoplanktonblüten. Die hohe Abundanz an Phytoplankton verursacht eine erhöhte Trübung der Wassersäule, dadurch kommt es zu einer abnehmenden Lichtverfügbarkeit für die aquatische Vegetation. Licht ist jedoch der limitierende Faktor für das Wachstum und die Verbreitung von Makrophyten.

Als Konsequenz konnte ein Rückgang der Makrophyten in den letzten 60 Jahren im Greifswalder Bodden beobachtet werden und somit eine Reduzierung des Laichsubstrates des Herings. Jedoch beeinflusst die Eutrophierung nicht nur die Verbreitung des Laichsubstrats sondern hat auch einen negativen Effekt auf die Entwicklung von Heringseiern. Durch die Sedimentation von Mikroalgen auf den Heringslaich oder durch das gesteigerte Wachstum von Epiphyten kann die Sauerstoffversorgung der Eier beeinträchtigt werden. Des Weiteren kann der Eintrag von Schadstoffen die Entwicklung der Embryonen hemmen bzw. schädigen.

Menschliche Aktivitäten

In Hinblick auf weitere anthropogene Nutzungen im Gebiet des Greifswalder Boddens, wie beispielsweise der maritime Tourismus, die Schifffahrt, Industrie und Fischerei, ist der Einfluss auf die  Heringslaichgründe schwer einzuschätzen. Die Entwicklung und Vergrößerung von Marinas, die Modifikation von Wasserstraßen oder die Errichtung von Kabeltrassen oder Gaspipelines können weitreichende Konsequenzen haben.